Wasch- und Umkleidezeit als Arbeitszeit

Im Arbeitsalltag stellt sich regelmäßig die Frage nach der Arbeitszeit, die vom Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zu bezahlen ist. Insbesondere gibt in der Praxis immer die Frage Anlaß zum Streit: Zählen Wasch- und Umkleidezeiten zur Arbeitszeit?Das Arbeitszeitgesetz gibt keine eindeutige Auskunft. Es bezeichnet nämlich die Arbeitszeit als die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit, ohne die Ruhepausen. Wann jedoch die Arbeitszeit beginnt und endet, ist im Arbeitszeitgesetz nicht geregelt. Im Allgemeinen wird auf das Betreten und Verlassen des Betriebes bzw. der Arbeitsstätte abgestellt. Damit gehen weite Wege auf dem Betriebsgelände zu Lasten des Arbeitgebers. Allerdings knüpfen andere rechtsverbindliche Absprachen für den Beginn bzw. das Ende der Arbeitszeit an ein Erscheinen bzw. Verlassen des Arbeitnehmers am Arbeitsplatz oder an der Arbeitsstelle an. Dann ist die Zeit nach Betreten des Betriebsgeländes zunächst keine Arbeitszeit, sondern beginnt erst mit Erreichen des Arbeitsplatzes bzw. der Arbeitsstelle.

Für die Frage, ob die Zeit des Umkleidens und des Waschens zur Arbeitszeit zu rechnen ist, gibt es gleichfalls keine allgemein gültige gesetzliche Vorgabe. Vielmehr ist nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes auf die Verhältnisse des Einzelfalles abzustellen (vgl. BAG, Urteil vom 22.03.1995, AIB 1995, Seite 533).

Gehört das Umkleiden nicht zum Inhalt der geschuldeten Arbeitsleistung, wie z.B. bei einem Model, sondern dient es nur der persönlichen Vorbereitung wie z.B. bei einem Koch, so sind in erster Linie die organisatorischen Gegebenheiten des jeweiligen Betriebes und die konkreten Anforderungen an den Arbeitnehmer maßgebend, wie sie sich aus den betrieblichen Regelungen und Handhabungen tatsächlich ergeben. Dementsprechend werden Wasch- und Reinigungszeiten für die Schutzkleidung als Arbeitszeit bewertet, wenn sie aufgrund einer im Betrieb gültigen Hygieneordnung durchzuführen sind. Generell läßt sich festhalten, daß Wasch-, Reinigungsarbeiten sowie Umkleidezeiten, die betrieblich angeordnet sind, zur Arbeitszeit zählen und zu vergüten sind. Durch die Anordnung dieser Arbeiten durch den Arbeitgeber wird klar, daß es sich nicht mehr um die persönliche Vorbereitung eines Arbeitnehmers auf seine Arbeitszeit handelt. Dementsprechend sind die Wasch- und Umkleidezeiten als Arbeitszeit dem Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber zu vergüten.

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