Radiohören am Arbeitsplatz unterliegt dem Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats

So sicher, wie das liebste Kantinenessen immer noch die Currywurst ist, so sicher ist der Konflikt über das Radiohören am Arbeitsplatz der häufigste Konflikt zwischen Kollegen.

Da eine Regelung zwischen den Kollegen häufig schwierig ist, wird hier gerne der Arbeitsgeber bemüht, der das radiohören während der Arbeitszeit verbieten soll.  Als Konfliktbeteiligter ist dann der Betriebsrat gefragt. Seine Beteiligung hat das Bundesarbeitsgericht bereits in einer Entscheidung aus dem Jahr 1986 geregelt (1 ABR 75/83).

Danach ist es dem Arbeitgeber nicht generell erlaubt das radiohören zu verbieten, den radiohören gilt als eine Reglung der betrieblichen Ordnung (§87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG).   Bei solchen Regelungen ist der Betriebsrat aber regelmäßig zu beteiligen, er hat ein Mitbestimmungsrecht.

Im Bereich des Arbeitsverhaltens hat der Arbeitgeber ein Direktionsrechtes und die Möglichkeit Anweisungen zu geben oder Regeln zu erlassen. Im Urteil heißt es dazu sinngemäß:  „Der Arbeitnehmer ist schon aufgrund seines Arbeitsvertrags verpflichtet, seine Arbeit ordnungsgemäß zu verrichten, d.h. konzentriert und sorgfältig zu arbeiten. Er muss daher selbst darüber entscheiden, ob er während der Arbeit Radio hört oder nicht. Erbringt er seine Arbeitsleistung trotz Radiohörens ordnungsgemäß, verstößt er nicht gegen seine Vertragspflichten. Wird er aber durchs radiohören abgelenkt und macht Fehler, verstößt er gegen seine vertraglichen Pflichten und muss mit entsprechenden Konsequenzen rechnen.“

In vielen Fällen ist aber die Art und Weise seine Arbeitsleistung zu erbringen damit verbunden, dass man eben auch kein Radio hören kann. Dann kann der Arbeitgeber das selbstverständlich untersagen.  Das leuchtet z. B ein, wenn die Arbeit darin besteht mit Kunden zu sprechen und/oder sie zu beraten. In solchen Fällen wiederspricht das Radiohören der Vertragspflicht des Arbeitnehmers.

Bleibt noch der Fall unterschiedlicher Kollegeninteressen. In diesen Fällen sagt das Gericht lapidar: „In der mitbestimmten Gestaltung der betrieblichen Ordnung sollen die unterschiedlichen Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Kolleginnen und Kollegen) zu einem sinnvollen und angemessenen Ausgleich gebracht werden.“

Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 14.01.1986 – 1 ABR 75/83

Leitsätze:

Die Frage, ob im Betrieb während der Arbeitszeit Radio gehört werden darf, betrifft die Ordnung des Betriebs und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb. Der Betriebsrat hat daher nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG mitzubestimmen, wenn der Arbeitgeber das Radiohören verbieten will. Ein ohne Beteiligung des Betriebsrats ausgesprochenes Verbot ist unwirksam.

7 Gedanken zu “Radiohören am Arbeitsplatz unterliegt dem Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats
  1. Für mich ist das Dasein an mehreren Arbeitsplätzen jetzt daran gescheitert, dass dort immer ein Radio mit Sendern wie Radio Hamburg, Radio Schleswig Holstein, Njoy, Alsteradio oder NDR II dudelte, wo ich den ganzen Tag durch blödes Gesappel, Funkwerbung, Rock- und Pop-Musik genervt wurde und immer die einzge war, die das Radio gestört hat. Wenn die, die das Radio stört, in der Minderheit sind, wird keine Rücksicht genommen. Dann muss ich mir anhören: ‚Wir können den anderen nicht das Radiohören verbieten.‘ Von daher ist das keine gute Lösung, es den Kollegen zu überlassen, diese Sache untereinander zu regeln, sondern ich wünsche mir vom Gesetzgeber ein Nicht-Radio-Hörer-Schutz-Gesetz, so wie es bereits ein Nichtraucher-Schutzgesetz gibt. Es kann doch nicht angehen, dass es einem den ganzen Tag aufgezwungen wird, dieses Radio ertragen zu müssen, wenn man lieber sepne Ruhe haben will und auch seine Ruhe braucht, um sich bei der Arbeit konzentrieren zu können. Es kann doch nicht angehen, dass Menschen, die zuverlässig sind und gute Arbeit leisten, nur wegen so einem blöden Radio immer wieder ihre Arbeit verlieren!

  2. Endlich mal jemand, der mich versteht! Ich habe zwei Jahre lang gegen den Bass aus einer Stereoanlage am Arbeitsplatz gekämpft und bin davon nervenkrank geworden. Beim Chef auf taube Ohren gestossen, ich sei überempfindlich und soll Ohrstöpsel tragen. Jetzt hab ich die Abteilung gewechselt und das gleiche wieder, 11 gegen einen. Die ganzen Erklärungen, dass es mich nervt, helfen nix und ich werde jetzt den Job schmeissen, da ich schon gewalttätige Gedanken habe gegen die Dudelkiste. Ich hab panische Angst, dass ich keinen Radiofreien Arbeitsplatz finde, in meinem jetzigen Betrieb bin ich in einer Art Tagesstätte für psychisch Kranke und offiziell seit Jahren arbeitslos, hoffentlich bereuen die es eines Tages mit ihrer Radiosucht.

    • Hallo zusammen. Hier ist noch jemand der Euch versteht. Das selbe Problem habe ich auch in meinem Betrieb. Und ich denke, dass am lautesten bei uns das SCH..Radio gehört wird. Uns war so laut wie in der Disco und das acht stunden 5 tage die Woche. Habe von den Kollegen Unterschriften gesammelt die sich von lautes Radio hören gestört fühlen. Und hoffe dass ich so Erfolg habe, dass es wirklich leise gestellt wird am besten ganz abgeschafft wird. Ich bin auch mit dem Nerven am Ende weil das Thema schon über mehrere Jahre hinzieht. Der Hammer dabei ist, ich bin der Betriebsratsvorsitzender. Es wird ein Rückschlag geben, das weis ich. Ist mir aber auch egal. Ehrlich gesagt bin auch am überlegen, ob ich den Job schmeißen soll. Es ist respektlos von einigen Mitarbeiter die sich stur darstellen. Kein Rücksicht auf die Arbeitskollegen.

      • Mein selbsterprobter Tipp:
        Nachdem alle Gespräche mit den entsprechenden Kollegen nichts gebracht haben, habe ich dem Chef erklärt, dass dann ja wohl „mit mir etwas nicht stimmen könne. Deshalb muss und werde ich dies ärztlich untersuchen lassen.“
        Das Ergebnis wird eine Diagnose „Übersensibilität“ sein, welche laut Ärzte ausschließlich mit Ruhe behandelt werden kann. Sobald die erste Krankschreibung vorliegt, wird es plötzlich eine Lösung geben, versprochen 😉

  3. Ich reihe mich auch ein. Meine Kollegin lässt den ganzen Tag das Radio dudeln. Kommt ein Lied, das ihr besonders gut gefällt, wird die Kiste lauter gedreht und auch noch mitgesungen…in grauenhaftester Tonlage. Ich habe sie mehrere Male gebeten das Radio leiser zu machen, oder sogar aus. Einmal habe ich ihr deutlich die Meinung gegeigt. Hat zwei Tage geholfen, danach gings wieder von vorne los. Der Chef unternimmt nichts. Den tangiert das nicht. Die Frau ist in vielen Dingen schlicht und ergreifend rücksichtslos.

    Ich kann absolut nachvollziehen, dass man von so etwas nervenkrank werden kann.

  4. Geht mir hier auch so und das in einem Zwei-Mann-Büro. Wenn der Kollege morgens kommt, geht der erste Griff zum Radio.
    Es heißt immer, man soll mit dem Kollegen reden. Der tut dann auch immer ganz einsichtig und stellt das Radio leise, bis zum nächsten Mal.
    Sich zu beschweren vergiftet nur das Arbeitsklima.
    Wenn es möglich wäre, würde ich den Arbeitsplatz wechseln, da auch meine Leistung bereits darunter leidet.

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